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Das Betreuungs-Wechselmodell

OLG Koblenz, Beschl. v. 12.1.2010 - 11 UF 251/09

Das ursprünglich mit großer Euphorie eingesetze Wechselmodell, nach dem die Kinder zu gleichen  Teilen bei beiden Eltern leben, wird inzwischen in seiner Vereinbarkeit mit dem Kindeswohl und im Hinblick auf die Frage seiner Zweckmäßigkeit relativiert. Das OLG Koblenz führt für den konkret der Entscheidung zugrunde liegenden Fall u.a. folgendes aus:

Ein Betreuungs-Wechselmodell setzt die Bereitschaft und Fähigkeit der Eltern voraus, miteinander zu kooperieren und zu kommunizieren und aus diesem Grund könne - und dies ist der für die alltägliche Praxis wichtige Kernsatz dieser Entscheidung- gegen den Willen eines Elternteils ein Betreuungs-Wechselmodell familiengerichtlich nicht angeordnet werden.

Das OLG Koblenz hat in den Gründen dieser Entscheidung ausgeführt, den Vorteilen des Wechselmodells stünden erhebliche Nachteile für das Kind gegenüber. Die mit dem regelmäßigen Wechsel verbundenen Belastungen erforderten ein hohes Maß an Kooperation, Kommunikation und Kompromißbereitschaft der Eltern und der Kinder. Das Betreuungs-Wechselmodell setze deshalb die Bereitschaft und Fähigkeit der Eltern voraus, miteinander zu kooperieren und zu kommunizieren. Gegen den Widerstand eines Elternteils könne das Wechselmodell nicht funktioniern.

Diese Grundvoraussetzungen hat das Gericht in seiner Entscheidung auf der Grundlage eines eingeholten Sachverständigengutachtens als nicht erfüllt angesehen. Das Wechselmodell habe für die Kinder mit sich gebracht, dass für sie ein Lebensmittelpunkt fehle. Sie seien besonderen Belastungen ausgesetzt. Zwischen den Eltern bestehe ein hohes Konfliktpotential. Eine reibungslose Kommunikation und Verständigung über die Belange der Kinder sei zwischen ihnen nicht möglich. Die Kindesmutter wolle an dem Wechselmodell nicht mehr festhalten, ohne dass Anhaltspunkte dafür bestehen würden, dass dies rechtsmißbräuchlich und aus eigennützigen Motiven erfolge.

Im Ergebnis hat das Gericht hier eine Umgangsregelung festgelegt, bei der die Kinder, ausgehend von einem Lebensmittelpunkt bei der Mutter, den Vater regelmäßig und häufig sehen, aber mit einem klaren Aufenthaltsschwerpunkt bei der Mutter.

Eine besondere Brisanz kann die Frage des Betreuungs-Wechselmodells im Einzelfall auch erfahren, wenn die Frage des Betreuungsmodells unmittelbare Auswirkungen auf Unterhaltsverpflichtungen oder Unterhaltsansprüche hat.

 

(25.01.10)

RA Meichsner

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